Suche Frieden und jage ihm nach

Motiv: Stefanie Bahlinger; Auslegungstext: Renate Karnstein; Verlag am Birnbach

Predigt in der Kirche zu Landschaftspolder am 6. Januar 2019

Jahreslosung 2019, Psalm 34, Vers 15 „Suche Frieden und jage ihm nach“

Wie waren die letzten Wochen bei Ihnen gewesen? Hat alles geklappt? Nicht nur der Braten und der Kuchen und der gute Wein? Die Neujahrswünsche und manch anderer Brauch zu Neujahr und Silvester? Waren alle glücklich und zufrieden und konnten dann wieder ihre eigenen Wege gehen?

Was tun wir nicht alles „um des lieben Friedens willen“? Denn der Friede ist auch an manchem Heimattisch kein Dauergast, der einfach so mit am Tisch sitzt und ein friedliches Miteinander garantiert. Weder in unseren Familien, noch in unserer Gesellschaft ist der Frieden zwangsrekrutiert und zum Erfolg verpflichtet. Er ist eher ein scheues Reh, das sich schnell wieder versteckt, wenn verdächtige Geräusche spürbar sind. Und dann für eine Zeitlang verschwinden kann, um es woanders zu versuchen.

In unserer Welt ist es bunt und vielfältig geworden. Sie muss - ob sie will oder nicht - immer näher zusammenrücken. Immer mehr Menschen mit ihren Wünschen und Träumen auf dem gleichen verwundbaren Globus mit begrenzten Ressourcen. Das birgt Konflikte.

Selbst in unseren Kirchen und Gemeinden lässt sich der Frieden sich nicht immer automatisch als Hauptakteur buchen. Er bietet sich zwar gern an, doch verschwindet er auch wieder, wenn wir nicht sorgsam genug mit ihm umgehen. Denn je höher die Ansprüche, desto tiefer die Realität. Je höher die Stange liegt, desto schwieriger ist der Sprung.

In der großen weiten Welt wie im Kleinen erleben wir schon seit längerem, wie zerbrechlich und flüchtig der Frieden sein kann. Und das war wohl schon immer so. Das friedliche Zusammenleben gehört zu unserem menschlichen Aufgaben-Programm wie die Arbeit, die Freizeit, die Kommunikation und die tägliche Sorge für sich und andere.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ fordert der Schreiber im 34. Psalm, unserer Jahreslosung, vor 2500 Jahren. So alt ist der Friedenswunsch, so alt wie die Bibel.

Das hebräische Wort „Schalom“ für Frieden aus unserer Jahreslosung bedeutet aber weit mehr als nur die Abwesenheit von Kampf und Streit. Mehr als das Schweigen von Waffen oder Wortgefechten. Auch keine Friedhofsruhe oder Kompromiss um jeden Preis. „Schalom“ bezeichnet die tiefe Sehnsucht nach der heilen, unversehrten Welt.

Schalom ist das innere Gefühl, wie es sein könnte, wenn alles in Ordnung wäre. „Schalom“ ist nicht Tat, sondern Wortklang. Nicht Gestalt, sondern Gefühl.

„Anschauung und Gefühl“ sagte Friedrich Schleiermacher, der große Theologe vor 250 Jahren.

Schalom ist das Urgefühl der Religion. Die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander in der ganzen Schöpfung. „Wo Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue“. (Psalm 85,10-12) Sie ist das Herzstück der heiligen Schriften von Judentum und Christentum, im Alten und Neuen Testament. Von ihr hofft und träumt der Prophet Micha: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“. Und Jesus wird es durchhalten: Feinde zu lieben, zu segnen, wer einem flucht und für jemand zu bitten, wer einen verfolgt. Gottes Schalom wird in Jesus Fleisch und Blut annehmen und in dieser Welt gegenwärtig sein.

Die Künstlerin Stefanie Bahlinger aus Messingen in Baden Würthemberg hat die Losung unseres Jahres mit einem aktuellen Bild unserer Tage interpretiert. Es könnte hier in Europa, auf dem Balkan, oder auch im Nahen Osten spielen. Die gleich aussehenden Häuserformen deuten auf einen afrikanischen Kontext.

Ein strahlend weißes Kreuz erstreckt sich über die gesamte Collage. Wie ein Lichtstrahl reicht es über die Ränder hinaus. Das Licht-Kreuz sprengt Raum und Zeit. Es verbindet Himmel und Erde. Es umfasst alles, was war, was ist und was noch sein wird. Wie ein Fluß, der aus vier Richtungen zusammenfließt und zentral auf die Mitte zielt. Die Künstlerin wählt das Kreuz als Hintergrund des Friedens. Es muss eine christliche Künstlerin sein. Jesus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Er umschließt die Gemeinschaft. Nichts geht an ihm vorbei. Wir müssen in seinem Geist den Friedensweg suchen. Er hat den Grundstein gelegt. Von ihm gehen Impulse aus, die in unserer Welt zu Lösungen führen können.

Auf unserer Suche nach gerechtem Frieden im Kleinen wie im Großen kommen wir mit Jesus weiter voran - die Überzeugung der Künstlerin. Die vielen Menschen in der Grafik, sind einander ohne trennende Mauern und Grenzen ganz nah. Sie geben einander Halt und leuchten in Regenbogenfarben, die wie durch ein Prisma vom reinen Weiß des Kreuzes reflektiert werden. Im Bild stören keine Unterschiede, auch nicht der Herkunft. In der Grafik ist es angedeutet durch aneinander gefügte Schriftfragmente des Vaterunsers in unterschiedlichen Sprachen. Die Welt rückt zusammen auf einem gemeinsamen Weg. Die Menschen gehören zusammen und sind gemeinsam stark und mächtig. Ihre Farben verlieren sich zum unteren Bildrand hin. Dort sind alle Unterschiede nahezu aufgehoben und dem Weiß des Kreuzes angeglichen sind. Hier verwischt alles Trennende und wird zu einer gemeinsamen Basis. „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“. So verspricht es Jesus in der Bergpredigt. Als seine Kinder sind die Jünger dazu berufen, Licht der Welt zu sein.

Zur Stadt zieht es aber auch die Menschen am rechten und linken Rand. Hier sind es deutlich „gebrochene“, grau-schwarze Existenzen. Sie sehnen sich nach Heilsein, nach dem Schalom! Sie sind an den Rändern eng aufeinander gezeichnet. Ihre Statur ist nicht gerade und aufrecht wie die mittleren Gestalten. Sie sind geknickt und auf einander gestützt. In den lesbaren Bruchstücken ihres Lebens sind ebenfalls Ausschnitte des Vaterunsers zu lesen: „… vergib uns unsere Schuld …“ Diese Menschen haben erfahren, vielleicht mehr als die anderen, dass Frieden und Versöhnung zu leben, oft eine Überforderung ist. In der wir mit uns selbst und unserem Leben in Konflikt kommen. Kompromisse wurden als Enttäuschungen am eigenen Lebensziel erlebt. Wer sich zu hohe Ziele steckte, konnte sie womöglich nicht ohne Schaden zu nehmen erreichen. Und er nahm Schaden an Leib und Seele. Es sind gebrochene Biografien, gemeinsam mit allen anderen auf dem Weg in die Stadt Gottes.

Rechter und linker Rand - hat das auch etwas mit uns zu tun? Zerfällt unsere Gesellschaft zu den Rändern hin. Verliert sie die bindende Kraft? Wer kann uns zusammenfügen? Ist es das Ziel des gemeinsamen Friedens? In einer Stadt von Recht und Glück für alle? Wo würde ich mich selber gerade ansiedeln? Wo stehe ich, wo gehe, wo fühle ich mich zugehörig? Wer spricht meine Sprache, denkt wie ich, mit wem kann ich reden? „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken,“ sagt Jesus. Damit lädt Christus uns alle ein in seinen Frieden. Seine Linien sollen auch mein Leben durchziehen und verbinden. Zwei goldene Diagonale in der Mitte des Kreuzes markieren den Verknüpfungspunkt. Hier ist die Kraft und die Magie. Die Mitte ist der ruhende Pol. Hier ist die Glut am stärksten. Die Zukunft ist sein Land. Die goldene Stadt ist die Vision des Friedens. Dort bricht am Ende der Zeiten der ewige Schalom an. Der goldene Bogen am oberen Rand der Grafik segnet die Stadt.

Wenn Jesus durch das goldene Tor in die ewige Stadt zieht, bricht für alle sichtbar das ewige Friedensreich an: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ (Lukas 13, 29) Bei diesem Festmahl wird dann der Friede als „Dauergast“ mit am Tisch sitzen.

Machen wir uns auf den Weg. Und lassen wir uns leiten von der uralten biblischen Vision, von dem Ort, wo Güte und Treue einander begegnen, wo Gerechtigkeit und Friede sich küssen.

Amen.

Michael Groothues, Pastor

 

 

Flüchtlingskrise

Predigt am 8. November 2015

Lukas 17 „Vom Kommen des Gottesreiches“

„Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man's beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“

Liebe Gemeinde!

Bei einem Geburtstagsbesuch vor einigen Tagen wurden Sorgen laut. Angesichts der Flüchtlingskrise. Wir sollen wir das alles verkraften? Werden diese Menschen uns zur Bedrohung werden? Es sind meist keine Christen, sondern Muslime. Werden sie jetzt Moscheen bauen und immer stärker werden.

In unseren Köpfen leben Krisenscenarien. Niemand weiß, wie es mit dieser Flüchtlingskrise weiter geht. Die Politik ist überzeugt, wir schaffen das. Die Sorgen stehen trotzdem im Raum.

Allerdings ist genau das eine der Grundstimmungen im Neuen Testament, bei den Propheten der damaligen Jesusbewegung. In allen Evangelien gibt es diese Krisenmotive. Es sind Weltuntergangsscenarien, Wünsche nach einem Paradies. Diese böse Welt muss doch einmal zu Ende sein, hofft man. Dann kommt Gott und richtet mit seinem Messias das ewige Reich auf. Und zwar auf Erden. Das war die Vorstellung.

Diesen Stimmungen begegnet Jesus mit seinem markanten Satz. Auf die Frage des Pharisäers: Wann kommt das Reich Gottes? Antwortet er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten kann. Man kann gar nicht sagen: hier ist oder da. Sondern siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Jesus ist das Reich Gottes. Er, der Herr, inmitten seiner Jüngerschaft. Sein Wort bringt die frohe Botschaft Gottes. Sein Wort ist Trost. Und zwar schon jetzt in dieser Stunde. Sein Wort ist Hoffnung, und zwar eine, die schon jetzt beginnt. Sein Geist gibt Kraft, mit der man jetzt schon leben und handeln. Seine Liebe bringt den zündenden Funken, der jetzt schon Licht in unseren Dunkelheiten bringt.

Krisenzeiten sind aus der Menschheitsgeschichte nicht wegzudenken. Krisen gehen häufig mit Umbrüchen und Veränderungen einher.

In jedem Fall, unser Land wird sich ändern, wird bunter, vielfältiger. Vielleicht wird auch der Glaube wieder gefragt. Das Christentum erlebt ein Comeback. Wenn der Islam stärker wird, müssen sich vielleicht auch die Christen neu positionieren und behaupten. Alte Werte werden neu belebt. Das Gebet, der Gottesdienstbesuch. Wenn andere es uns anders vormachen. Wo eine Moschee entsteht, ist vielleicht auch das Gotteshaus wieder ein gern besuchter Ort. Mit Heimatgefühl für unsere Kultur.

Wichtig allerdings, dass wir unserer menschlichen Verantwortung bewusst sind. Dass wir unseren Beitrag leisten, unser Mögliches tun. Vor Ort im Kleinen, in unserer Umgebung und Nachbarschaft, in der Kirche, im Verein, in Gruppen und Kreisen. Allein, zu zweit, mit mehreren zusammen.

Und es könnte ja sein, dass mit den neuen Flüchtlingen, die schon bald zu uns nach Verlaat kommen sollen, eine neue Aufgabe auf uns zu kommt.

Und dann könnte es heißen: Das Reich Gottes ist nicht hier oder dort. Sondern es ist mitten unter euch. Gott schenke uns die Kraft, die Geduld, die Phantasie und den Gemeinschaftssinn dafür.

10 Gebote, die das Scheitern einer Ehe garantieren

Verschwendet eure Zeit nicht mit Gesprächen, seht lieber fern!

Gebt eure Persönlichkeit auf, verschmilzt miteinander!

Erzieht euch gegenseitig – und das täglich!

Macht alles gemeinsam, damit ihr immer wisst, was der andere tut!

Wenn ihr einander nicht versteht, geht davon aus, dass es schlecht gemeint war.

Geht jedem Streit aus dem Weg! Verzeiht einander nie!

Beratet euch erst mit den eigenen Eltern, bevor ihr dem Partner etwas sagt.

Beobachtet jede Veränderung des Partners misstrauisch!

Nehmt in einer Krise niemandes Hilfe in Anspruch, das wäre ja peinlich!

Heiratet bloß nicht aus Liebe!

(Achtung Paare: bitte nicht nachmachen!!! ZwinkerndM.G.)

(Quelle Gottesdienst Praxis I,4, 2009 S. 95. Georg Schwikart, Zum Hochzeitstag, © by Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München. 3. überarbeitete Ausgabe 2005)